Geschichte des Evangelischen Verein München-Westend:

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1894
Es wohnten bereits über 3000 Protestanten im Münchner Westen. Das Westend wuchs als neuer Stadtteil zusehends. Die ersten Anfänge des evangelischen Lebens gehen auf die Initiative des Vereins für Innere Mission zurück. Er begründete um die Jahrhundertwende eine Kinderbewahranstalt und ein Altenheim. In der Kinderbewahranstalt wurden auch Gottesdienste gefeiert. Der Wunsch nach einem evangelischen Gemeindehaus wurde immer drängender. Eine auf das Stadtteil bezogene Kirchengemeinde bestand noch nicht, die Evangelischen wurden von St. Matthäus aus durch einen Hilfsgeistlichen versorgt.

1903
Beherzte evangelische Christen gründen deshalb am 11. Oktober 1903 den Evangelischen Verein München-Westend. Am 1. November 1903 bescheinigt die königliche Polizei die Eintragung des Vereins. Gründungsmitglieder sind die Herren Baltheiser, Blechschmidt, Bühler, Drescher, Hahn, Kaiser, Leitgeber, Luft, Riess, Stiegler, Waffer und Zeidler mit Herrn Pfarrer Prieser. Es ist ein Laienverein, in der ersten Zeit wirken die Geistlichen nur wenig mit. Der Schreiner Sebastian Luft ist Vorstand. Das Stiftungsfest wird immer zum Reformationsfest gefeiert.
Der Verein versteht sich als Interessenvertretung der Protestanten in München-Westend. Der Zweck wandelt sich mit dem gelungenen Aufbau einer Kirchengemeinde. Zunächst steht die Erbauung eines evangelischen Gemeindehauses für regelmäßige Gottesdienste und kirchliche Handlungen (Taufen, Konfirmationen, Trauungen) im Vordergrund. Später mehrt der Verein den Baufonds zur Errichtung einer Kirche. Sehr wichtig ist ihm von Anfang an die Verbesserung der schwierigen Schulsituation für die evangelischen Kinder. Der Zusammenschluss zu gemeinsamer karitativer Arbeit war von Angang an wichtig, tritt aber immer mehr an die Spitze der Aktivitäten, je mehr der Bestand der Gemeinde gesichert ist.

1905
Die Innere Mission erwirbt für diakonische Zwecke 1905 ein Haus in der Westendstraße. Der Verein kümmert sich um regelmäßige Gottesdienste im Saal des Hauses und finanziert sie. Ein Chor wird gegründet, der auch als Kirchenchor wirkt. Im Winter werden in Familienabenden belehrende Vorträge und musikalische Leistungen geboten. Im Sommer veranstaltet der Verein regelmäßig ein größeres Gartenfest in Holzapfelkreuth. Auch werden in Männerabenden allgemeine kirchliche Fragen in kurzen Referaten und freier Diskussion besprochen. Eine Vereinsbibliothek wird angelegt.
Die karitative Tätigkeit im Kreis seiner Mitglieder und wenn möglich auch darüber hinaus hat sich der Verein zur Pflicht gemacht. Er unterstützte arme Wöchnerinnen mit Lebensmitteln oder in Not geratene Glaubensgenossen mit Geld. Alljährlich bescherte er die armen protestantischen Schulkinder. Durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erlöse von Festen sammelt der Verein die nötigen Mittel dazu.
Viele Anträge des Vereins haben Erfolg: Die Zahl der protestantischen Schulklassen im Westend wächst, sie müssen nicht mehr so weit fort in die Schule. Die Gemeindepflegestation für Armen- und unentgeltliche Krankenpflege wird 1903 eröffnet und bald wird eine zweite Gemeindediakonisse berufen.

1924
Die Errichtung einer Pfarrstelle und einer Pfarrei im Westend gelingt 1924. Der Verein hatte darauf verwiesen, dass die Gemeinde arm an äußeren Gütern ist, sie gehört ja fast ausschließlich den unteren und mittleren Volksschichten an. Doch die Opferbereitschaft und die rege Beteiligung am kirchlichen Leben sind herausragend.

1931
Es kann dann der Kirchenbau abgeschlossen werden. Der Verein stiftet eine Glocke für die im Weltkrieg Gefallenen.

1939 - 1945
In der Zeit des Dritten Reiches treten vermehrt Mitglieder aus dem Verein aus, mit der Begründung, der Verein sei konfessionell. Pfarrer Höhberger hält dem entgegen, der Verein sei ein Gemeindeverein. Es ist nun nicht mehr möglich, das Stiftungsfest in einem öffentlichen Saal zu halten. Die Berichte über die kirchliche Lage in dieser Zeit sind aus Gründen der Vorsicht leider nicht protokolliert worden.

1945 – 1948
Es finden keine Zusammenkünfte des Vereins mehr statt.

1950
In den 50er Jahren beginnt nach dem Krieg die neue Aufbauarbeit. Der Verein hilft mit beim Bau des Gemeindesaales.

1953
Zum 50jährigen Vereinsjubiläum predigt Kreisdekan Oberkirchenrat Daumiller.
Der Verein gründet den Posaunenchor und unterstützt die Jugendarbeit.
Der Verein unterstützt jährlich die Schwesternstation der Kirchengemeinde durch eine Zuwendung.
Bis 1966 trug er auch zu den jährlichen Kosten des Kindergartens bei.

1976
Nach 1964 wirkte in der Schwesternstation nur noch eine Schwester, Maria Hohner.
Im September 1976 geht sie nach 21 Jahren Dienst krankheitsbedingt in Ruhestand. Sie war die letzte in München tätige Augsburger Diakonisse.

1979
Schwester Regina Dörschel baut als Ganztagskraft die Diakoniestation neu auf. Schon 1980 trägt sich die Station aus eigenen Kräften.

1981
Zum 1.1.1981 übernimmt der Evangelische Verein unter dem Vorsitz von Pfarrer Mäder die Trägerschaft der Diakoniestation von der Kirchengemeinde. Der Verein wird dazu Mitglied im Diakonischen Werk. 1981 arbeiten 2 Schwestern und ein Zivildienstleistender in der Station.

1982
Seit 1982 leitet Hans Jürgen Bucko als 1. Vorsitzender den Verein. Unter ihm wurde die auf das Stadtteil bezogene Diakoniestation weiter so ausgebaut, dass sie allen Anforderungen der heutigen Zeit entspricht.

1998
Neben Zuschüssen für Projekte der Kirchengemeinde hat der Verein auch unter Leitung von Barbara Staude einen Besuchsdienst aufgebaut, der im Altenheim der Inneren Mission seinen Einsatzschwerpunkt hat.

2005
120 Klienten werden von 8 Vollzeit- und 4 Teilzeitmitarbeitern gepflegt. Herr Christian Münzer übernimmt die stellvertretende Pflegedienstleitung.

2007
Im Januar zieht die Diakoniestation in eine ehemalige Gaststätte an der Kazmairstraße, Ecke Bergmannstraße.
Vermieter ist der Verein Ledigenheim.

2008
Herr Münzer ist Pflegedienstleitung. Der neue Standort und die neuen Räumlichkeiten erweisen sich als vorteilshaft. Einige Klienten verbringen den Vormittag mit Frühstück, Vormittagsbeschäftigung und Mittagessen im Seniorenbereich der Station.
 

Mitgliederzahl im Wandel der Zeit
1904 hatte der Verein 100 Mitglieder.
In den 30er Jahren war die Zahl auf 450 angestiegen.
In den 60er Jahren sank die Zahl trotz erfolgreicher Werbeaktionen auf unter 400.
Ende der 70er Jahre waren es weniger als 200.
Der Evang. Verein hat heute ca. 100 Mitglieder.